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Wozu dient Zärtlichkeit einem Narzissten?

Ein sich umarmendes Pärchen, als Symbolbild für einen Narzissten und Zärtlichkeit

Es gibt diese Momente, an die sich viele Betroffene noch lange erinnern: der Arm, der sich plötzlich um die Schulter legt, das sanfte Streicheln nach einem heftigen Streit, das Flüstern, wie sehr man geliebt wird. Genau diese Momente lassen Betroffene jahrelang an einer Beziehung festhalten, die sonst voller Kälte und Kontrolle ist. Eine Frage, die sich daraus fast zwangsläufig ergibt: Wozu dient Zärtlichkeit einem Narzissten überhaupt?

Können Narzissten wirklich zärtlich sein?

Die ehrliche Antwort lautet: körperlich ja, emotional meist nicht im eigentlichen Sinn. Narzisstische Menschen sind in ihrer Fähigkeit zur Empathie deutlich eingeschränkt, das gehört zu den Kernmerkmalen der narzisstischen Persönlichkeitsstörung. Das bedeutet jedoch nicht, dass sie gar nichts empfinden. Sie sind durchaus fähig, oberflächliche Freude oder physisches Wohlbefinden zu erleben, etwa beim Kuscheln oder bei körperlicher Nähe

Was jedoch ausbleibt, ist das tiefe emotionale Mitschwingen mit dem Erleben des Partners, jenes echte Eintauchen in die Gefühlswelt eines anderen Menschen, das echte Zärtlichkeit von ihrer narzisstischen Imitation unterscheidet.

Wozu Narzissten Zärtlichkeit tatsächlich einsetzen

Die Antwort liegt in der Funktion, die körperliche Nähe für sie übernimmt. Zärtlichkeit dient zunächst der Sicherung von Aufmerksamkeit: Wer Nähe gibt, bindet den Partner emotional an sich und sorgt dafür, dass dieser in der Beziehung bleibt. Besonders zu Beginn einer Beziehung wird Zärtlichkeit intensiv eingesetzt, im Rahmen des sogenannten Love Bombing, um schnell ein Idealbild aufzubauen und tiefe Bindung herzustellen, noch bevor der Partner die Person wirklich kennt.

Später in der Beziehung verändert sich die Funktion der Zärtlichkeit grundlegend. Sie wird gezielt als Belohnung eingesetzt, meist nach Konflikten, nach Phasen der Kälte oder nach dem sogenannten Silent Treatment. Auf eine Auseinandersetzung folgt plötzlich wieder intensive Nähe, ohne dass es je eine echte Entschuldigung oder Aufarbeitung gegeben hätte. Diese Zärtlichkeit dient nicht der Versöhnung im eigentlichen Sinn, sondern dem Begraben des Konflikts. Sie signalisiert: Das Thema ist erledigt, kehren wir zur Normalität zurück, ohne dass sich etwas wirklich geändert hat. Gleichzeitig demonstriert der Narzisst auf diese Weise Kontrolle über die Emotionen des Partners, denn die plötzliche Nähe lässt den eigentlichen Konflikt schnell in den Hintergrund treten.

Gerade nach einer Trennung taucht dieses Muster häufig noch einmal verstärkt auf, im Rahmen des sogenannten Hoovering: Der Narzisst wird plötzlich wieder zugänglich, manchmal sogar verzweifelt zärtlich, verspricht Veränderung und echte Nähe. Diese Rückkehr zu Zärtlichkeit hat dabei selten etwas mit echter Sehnsucht nach dem Menschen zu tun, sondern meist damit, dass eine andere Quelle der Bestätigung gerade versiegt ist.

Was das mit Betroffenen macht

Diese unberechenbare Abfolge aus Kälte und plötzlicher Nähe ist einer der zermürbendsten Aspekte einer narzisstischen Beziehung. Betroffene berichten häufig von demselben Muster: intensive körperliche Nähe am Anfang, gefolgt von abruptem Entzug, gefolgt von sporadischer Rückkehr genau dann, wenn sie es am wenigsten erwarten. Diese Unvorhersehbarkeit bindet emotional stärker, als beständige Liebe es je könnte, weil das Nervensystem ständig in Erwartung des nächsten Moments der Nähe verbleibt. Nach solchen Momenten fühlen sich viele zusätzlich verwirrt und beginnen, die eigene Wahrnehmung des vorausgegangenen schlechten Verhaltens infrage zu stellen. War es wirklich so schlimm, wenn er jetzt doch so liebevoll ist? Genau diese Frage hält Betroffene oft länger in der Beziehung, als ihnen gut tut.

Wie du dich schützen kannst

Der wichtigste Schritt ist, Zärtlichkeit und echte emotionale Verbindung bewusst voneinander zu unterscheiden. Frage dich nicht nur, was in einem Moment der Nähe passiert, sondern wann er passiert: Kommt die Zärtlichkeit nach einem Konflikt, nach einer Phase der Kälte, oder genau dann, wenn du dich distanzieren wolltest? Diese zeitliche Einordnung verrät oft mehr über die eigentliche Funktion als der Moment selbst. Wichtig ist außerdem, sich selbst nicht für die eigene Verwirrung zu verurteilen. Auf körperliche Nähe emotional zu reagieren ist eine zutiefst menschliche, biologisch verankerte Reaktion, kein Zeichen von Naivität.

Praktisch hilft es, solche Momente zu dokumentieren, etwa in einem kurzen Tagebuch, gerade weil die Erinnerung an die Härte vorausgegangener Phasen unter dem Eindruck plötzlicher Nähe schnell verblasst. Und such dir, wenn möglich, eine Vertrauensperson, die den gesamten Verlauf kennt und dich daran erinnern kann, was vor der Zärtlichkeit wirklich geschehen ist.

Zu verstehen, wozu Zärtlichkeit einem Narzissten dient, nimmt einen Teil der Verwirrung. Aber dieses Wissen verändert nicht sofort, wie dein Körper auf Nähe reagiert, die du gelernt hast, mit Erleichterung zu verwechseln. Dieses Verlangen nach dem nächsten Moment der Nähe sitzt nicht im Kopf. Es sitzt im Nervensystem.

Genau dafür ist mein kostenloser Newsletter „Vom Kopf in den Körper“ gedacht. Du bekommst körperorientierte Übungen mit EFT und Breathwork, die dir helfen, dich aus diesem alten Muster zu lösen und echte Nähe von ihrer narzisstischen Imitation zu unterscheiden.

Passend dazu empfehle ich dir noch diese Beiträge:

Katharina Samoylova

Psychologin und Mentorin

Mail: info(at)katharinalova.de

Hilfe bei Narzissmus

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