Katharina Samoylova - Hilfe bei Narzissmus

Warum ein Narzisst nach der Trennung gefährlich werden kann.

Ein Mann schreit eine Frau an, die sich verzweifelt am Kopf hält, ein Symbolbild dafür, wie gefährlich ein Narzisst nach der Trennung sein kann.
„Pack deine Sachen und verschwinde, die Kinder bleiben bei mir“ – brüllte Manfred Diana an, nur einen Tag nach der Trennung, obwohl er am Vortag noch ganz gelassen reagiert hatte. Ein Narzisst kann nach der Trennung gefährlich werden, weil eine Zurückweisung für ihn einen existenziellen Kontrollverlust und eine massive Kränkung bedeutet. Diana kannte diese plötzlichen Umschwünge längst, nach 25 gemeinsamen Jahren und drei Kindern hatte sie schon so viel Herabwürdigung und Aggression ertragen. Doch was jetzt begann, übertraf alles bisherige. In diesem Artikel erfährst du, warum diese Phase nach der Trennung von einem Narzissten so gefährlich werden kann, welche Auswirkungen sie auf Betroffene hat und wie du dich und deine Kinder in dieser Zeit wirksam schützen kannst.

Warum ein Narzisst nach einer Trennung sehr gefährlich werden kann

Diana wusste, dass Manfred sich nicht so einfach würde abschütteln lassen. Trotzdem hatte sie nicht damit gerechnet, dass er innerhalb eines einzigen Tages von scheinbarer Gelassenheit zu offener Aggression wechseln würde. Genau dieser Umschwung ist typisch für narzisstische Persönlichkeiten, wenn sie mit einer Trennung konfrontiert werden. Für Manfred ging es in diesem Moment nicht mehr um Diana als Mensch, sondern um den Verlust seiner Kontrolle über sie und über die gesamte Familie.

Menschen mit narzisstischen Zügen bauen ihr Selbstwertgefühl auf einem fragilen Fundament auf. Sie brauchen ständige Bestätigung, Bewunderung und die Gewissheit, die Fäden in der Hand zu halten. Wenn du dich trennst, entziehst du ihnen genau das. Für dein Gegenüber fühlt sich das nicht wie ein normaler Beziehungsabschied an, sondern wie eine existenzielle Bedrohung des eigenen Ich. Diese narzisstische Kränkung trifft einen Nerv, den viele Betroffene bei ihrem Ex-Partner noch nie so verletzlich erlebt haben.

Bei Manfred kam eine zusätzliche Komponente hinzu. Sein Motorradunfall mit der Kopfverletzung vor drei Jahren hatte seine Impulskontrolle bereits sichtbar verändert. Hirnverletzungen können bestehende aggressive Muster verstärken, weil Bereiche, die sonst regulierend wirken, beeinträchtigt sind. Diana spürte, dass Manfreds Ausbrüche seither unberechenbarer geworden waren, und genau diese Unberechenbarkeit macht die Zeit nach einer Trennung so gefährlich.

Die Reaktionen, die dann folgen, zeigen sich auf ganz unterschiedliche Weise. Manche Ex-Partner setzen auf Hoovering, also plötzliche Liebesbekundungen oder Versprechen, sich zu ändern, um dich zurückzuholen und die Kontrolle wiederzuerlangen. Andere schlagen den Weg der Rache ein, mit Stalking, Verleumdung bei Freunden und Familie oder gezielten Versuchen, dein neues Leben zu untergraben. Bei Manfred zeigte sich vor allem die dritte und gefährlichste Form, die offene Gewalteskalation. Er drohte Diana und den Kindern körperlich, wurde handgreiflich, und erst beim dritten Polizeieinsatz wurde er tatsächlich mitgenommen und mit einem Näherungsverbot belegt.

Diese Eskalation ist kein Einzelfall. Das Bundeskriminalamt registrierte für das Jahr 2024 132 Frauen, die durch ihren (Ex-)Partner getötet wurden, und damit fast alle zwei bis drei Tage eine Frau in Deutschland. Darüber hinaus wurden 308 Frauen Opfer von versuchtem oder vollendetem Mord oder Totschlag, was bedeutet, dass es fast täglich zu einem solchen Tötungsversuch kommt. Eine Forschungsgruppe der Universität Tübingen kam zu dem Ergebnis, dass Partnerinnenfemizide im Zusammenhang mit Trennung oder Eifersucht die mit Abstand häufigste Form von Femiziden in Deutschland sind. Besonders alarmierend: Die Frauenhauskoordinierung stellt fest, dass das Tötungsrisiko für Frauen genau dann am höchsten ist, wenn sie eine Trennung angekündigt haben oder sich gerade getrennt haben. Wie hoch das tatsächliche Ausmaß ist, zeigt die neue Dunkelfeldstudie LeSuBiA von BKA, BMBFSFJ und BMI aus dem Februar 2026, denn innerhalb von (Ex-)Partnerschaften werden psychische und körperliche Gewalt sogar in weniger als 5 Prozent der Fälle überhaupt angezeigt. Auch wenn sich diese Zahlen auf Frauen als Opfer beziehen, können Menschen jeden Geschlechts von einem gewaltbereiten narzisstischen Ex-Partner betroffen sein.

Was diese Studien bestätigen, hatte Diana längst am eigenen Leib erfahren. Der Moment der Trennung war für Manfred keine Erleichterung, sondern der Beginn eines Machtkampfes, den er mit allen Mitteln zu gewinnen versuchte.

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Was macht das mit Betroffenen

Diana lag Nacht für Nacht wach, obwohl Manfred inzwischen im Zimmer am Ende des Flurs schlief. Ihr Körper kannte längst kein Vertrauen mehr in diese räumliche Distanz. Jedes Knarren der Treppe, jeder Schritt auf dem Flur ließ sie hochschrecken, das Herz raste, die Atmung wurde flach, und sie lauschte in die Dunkelheit, ob sich seine Zimmertür öffnete. Dieser Zustand ständiger Alarmbereitschaft hat einen Namen, den viele Betroffene erst kennenlernen, wenn sie selbst mittendrin stecken: Hypervigilanz. Dein Nervensystem schaltet in einen dauerhaften Kampf- oder Fluchtmodus, weil es gelernt hat, dass Gefahr jederzeit und ohne Vorwarnung auftreten kann.

Was in diesen Momenten in deinem Körper passiert, ist keine Einbildung und auch keine Überempfindlichkeit. Die Amygdala, das Alarmzentrum deines Gehirns, arbeitet nach wiederholten bedrohlichen Erfahrungen auf Hochtouren, während der präfrontale Cortex, der dich normalerweise beruhigt und einordnet, in solchen Phasen kaum noch Wirkung zeigt. Dein Körper schüttet Stresshormone aus, obwohl objektiv gerade nichts passiert. Genau das machte Dianas Nächte so erschöpfend. Sie konnte sich sagen, dass Manfred schlief, dass die Kinder sicher in ihren Betten lagen, und ihr Körper reagierte trotzdem, als stünde die nächste Eskalation unmittelbar bevor.

Auch als die Polizei Manfred beim dritten Einsatz endlich mitnahm und ihm das Näherungsverbot auferlegte, fand Diana keine wirkliche Ruhe. Viele Betroffene erleben genau diesen Moment als große Erleichterung von außen und gleichzeitig als neue Welle innerer Anspannung. Diana fürchtete, dass er sich trotz des Verbots Zugang zum Haus verschaffen könnte, dass er vor der Schule der Kinder auftauchen würde, dass er sich auf eine Weise rächen würde, die sie nicht vorhersehen konnte. Diese Angst ist eine nachvollziehbare Reaktion auf eine Bedrohung, die real existiert hat und deren Ende sich nicht mit einem Gerichtsbeschluss allein herstellen lässt.

Die gesundheitlichen Folgen solcher andauernden Anspannung sind gut erforscht. Das Risiko, an einer posttraumatischen Belastungsstörung zu erkranken, ist bei wiederholter Gewalterfahrung um das Zweieinhalb- bis Dreifache erhöht, und auch das Risiko für Depressionen steigt um das 3,3-Fache. Schlafstörungen, Konzentrationsprobleme, ein ständiges Gefühl der Erschöpfung und diffuse körperliche Beschwerden wie Herzrasen oder Magenprobleme gehören zu den häufigsten Begleiterscheinungen. Dein Körper hat über lange Zeit gelernt, wachsam zu sein, und dieses Muster verschwindet nicht automatisch, sobald die Trennung vollzogen oder ein Kontaktverbot ausgesprochen ist. 

Diana kämpfte in dieser Zeit außerdem mit einem Gefühl, das viele Betroffene kennen und das oft im Verborgenen bleibt. Sie fragte sich immer wieder, ob sie früher hätte gehen müssen, ob sie die Kinder ausreichend geschützt hatte, ob sie selbst irgendetwas anders hätte machen können. Diese Schuldgefühle haben mit der Realität wenig zu tun, denn die Verantwortung für Gewalt liegt niemals bei demjenigen, der sie erlebt. Trotzdem setzen sie sich in dir fest, weil ein Mensch, der dich über Jahre kontrolliert und abgewertet hat, genau dieses Muster in dir verankert hat.

Wenn du dich in Dianas schlaflosen Nächten oder ihrer ständigen Wachsamkeit wiedererkennst, bist du mit diesem Gefühl nicht allein, und es ist auch kein Zustand, den du einfach aussitzen musst.

Wie du dich wieder sicherer fühlst

Diana wusste, dass sie etwas verändern musste, aber am Anfang griff sie zu den Strategien, die die meisten Betroffenen zuerst versuchen. Sie sprach ruhig mit Manfred, sie erklärte ihm ihre Sicht, sie hoffte, dass er die Situation verstehen und sich zurücknehmen würde. Diese rationalen Versuche scheitern bei einem narzisstischen Ex-Partner fast immer, weil sein Verhalten nicht aus Vernunft entsteht, sondern aus einem tief sitzenden Kontrollbedürfnis, das sich mit Argumenten kaum erreichen lässt. Erst als Diana das akzeptierte, konnte sie beginnen, sich auf das zu konzentrieren, was tatsächlich in ihrer Macht stand.

In Deutschland bietet dir das Gewaltschutzgesetz konkrete Werkzeuge, sobald Gewalt oder auch nur die Androhung von Gewalt im Raum steht. Über das Familiengericht kannst du ein Kontakt- und Näherungsverbot erwirken, das deinem Ex-Partner verbietet, sich dir, deiner Wohnung, dem Arbeitsplatz oder der Schule der Kinder zu nähern, und das im Eilverfahren oft innerhalb kurzer Zeit erlassen wird. Ein Verstoß gegen diese Anordnung ist strafbar und kann mit Ordnungsgeld oder sogar Ordnungshaft geahndet werden. Bei Diana hat genau dieser Weg dafür gesorgt, dass sie mit den Kindern zunächst im Haus bleiben konnte, während Manfred es verlassen musste.

In besonders schweren Fällen reicht ein Näherungsverbot auf dem Papier jedoch nicht aus, um dich wirklich sicher zu fühlen. Wenn die Gefahr real ist und du befürchtest, dass dein Ex-Partner sich über jedes Verbot hinwegsetzt, ist ein Umzug an einen Ort, dessen Adresse er nicht kennt, oft die einzige Lösung, die dir echte Ruhe zurückgibt. Über eine Auskunftssperre nach § 51 Bundesmeldegesetz kannst du beim Einwohnermeldeamt verhindern, dass deine neue Adresse an ihn weitergegeben wird, wenn du glaubhaft machen kannst, dass dir dadurch eine Gefahr für Leben, Gesundheit oder persönliche Freiheit droht. Ziehst du zunächst in ein Frauenhaus oder eine Zufluchtswohnung, wird diese Sperre in der Regel automatisch mit beantragt. Wenn ihr gemeinsame Kinder habt, wird die Situation dadurch komplizierter, weil Umgangsrecht und Sorgerecht eigene Regeln mitbringen. Genau für diese Fragen habe ich dir in meinem Artikel Trennung von Narzissten mit Kindern alles zusammengetragen, was du zu Umzug, Umgangsrecht und dem Schutz deiner Kinder in dieser Situation wissen musst.

Was mich in meiner Arbeit mit Klientinnen wie Diana jedoch am meisten beschäftigt, ist die Frage, was mit deinem Nervensystem passiert, wenn all diese rechtlichen Schritte längst erledigt sind und die Angst trotzdem bleibt. Ein Gerichtsbeschluss beruhigt deinen Kopf, aber er erreicht nicht automatisch dein Körpergedächtnis, das noch monatelang auf jedes Geräusch reagiert, als stünde die nächste Bedrohung unmittelbar bevor. Genau hier setzt meine Arbeit mit EFT und bewusstem Atmen an. Während du im Kopf längst weißt, dass du sicher bist, muss dein Körper diese Sicherheit erst wieder lernen, und das gelingt nicht durch Nachdenken, sondern durch gezielte Arbeit mit dem Nervensystem selbst.

Eine Klientin hat mir vor kurzem beschrieben, wie sich das für sie verändert hat. Sie erzählte mir, dass das Wissen, jetzt sicher zu sein, immer mehr aus ihrem Kopf in ihren Körper angekommen ist, und dass die emotionale Taubheit, die sich nach der Trennung wie ein grauer Schleier über sie gelegt hatte, langsam einer echten Ruhe und Zuversicht gewichen ist. Sie schläft wieder durch, ohne bei jedem Geräusch hochzuschrecken. Sie trifft Entscheidungen für sich und ihre Kinder, ohne von Schuldgefühlen gelähmt zu werden. Genau das ist möglich, wenn du deinem Körper hilfst, das zu begreifen, was dein Kopf längst weiß.

Wenn du dich in Dianas schlaflosen Nächten wiederfindest und spürst, dass reines Verstehen dir nicht die Ruhe bringt, nach der du dich sehnst, dann lade ich dich ein, gemeinsam mit mir diesen Weg vom Kopf in den Körper zu gehen. Vereinbare jetzt ein kostenloses und unverbindliches Erstgespräch, in dem wir gemeinsam schauen, wie du aus der Angst und Erschöpfung wieder zu echter Ruhe und Zuversicht findest.

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Katharina Samoylova

Katharina ist Psychologin und Mentorin. Sie begleitet Frauen nach einer toxischen Beziehung mit einem Narzissten und hilft ihnen, sich selbst wiederzufinden. Ihre Arbeit verbindet psychologisches Wissen mit körperorientierten Methoden wie EFT und Breathwork. Ihr Ziel ist es, Frauen dabei zu unterstützen, sich emotional vom Ex-Partner zu lösen und gestärkt aus der Beziehung hervorzugehen.

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